Kategorien: Oper

Eine Geisha ist charmant, schön, gebildet, beherrscht verschiedene Künste und unterhält ihren Gast, zum Beispiel in japanischen Teehäusern, auf hohem Niveau. Obwohl sich bereits zu Puccinis Lebzeiten das Wirken einer Geisha von der Erotik in die Sexualität verschoben hatte, setzt Bieito in seiner drastischen Bühnensprache noch einiges dazu.

In seiner Inszenierung der Madame Butterfly an der Komischen Oper Berlin befindet sich Cho-Cho-San (genannt Butterfly) in einem Bordell mit Spielautomaten und pinkfarbenen Luftballons. Pinkerton, eine Karrikatur eines Amerikaners und eines Sextouristen, immer lachend, vergnügungssüchtig, blond mit einem Bäuchlein und einem Paket Dollarscheinen in der Tasche, lässt sich nur zum Spass auf die Heirat mit Cho-Cho-San ein. Für Cho-Cho-San aber bedeutet diese Heirat viel mehr. Nämlich ernsthafte Liebe und Sehnsucht ihren bisherigen Lebensumständen zu entfliehen. Nach der Abreise ihres Ehemanns wartet sie vergeblich auf seine Wiederkehr. Endlich sieht sie ein amerikanisches Schiff im Hafen. Sharpless, der amerikanische Konsul, versucht ihr nahezubringen, dass Pinkerton nicht ihretwegen kommt …

Fast alle Dialoge, wie der verlesene Brief von Sharpless, bei dem Butterfly ihm einen “runterholen” muss und auch das große Liebesduett zwischen Pinkerton und Butterfly ist mit sexuellen Handlungen und Andeutungen versehen. Dazwischen wechselt Geld die Besitzer. Eine Whiskeyflasche und eine Mädchenpuppe befinden sich in den Händen des Onkels, welcher im Rollstuhl sitzt, irgendwie mit seiner Uniform an den alten Fidel Castro erinnert und nur zum Beischlaf oder Wutausbruch aus seinem Rollstuhl hüpft. Suzuki verschafft Pinkerton in der großen Bademuschel einen “Blowjob”. Der Chor schlurft mit Jeans und Coca-Cola-Becher herum. Lachende Kinder als Scheriff verkleidet erschiessen in einem Zwischenspiel eine werdende Mutter.

Plakativer, drastischer und weiter entfernt von Puccinis zwischenmenschlichem Drama für große Gefühle könnte es wohl kaum sein. Ist Calixto Bieito eine Stimme für die neue Generation, die mit Sex und Gewalt in Ton und Bild aufwächst? Die Sänger verschwinden stimmlich hinter dem bunten Bühnenbild und den aktionsreichen Szenen, trotzdem gerade im zweiten Teil nach der Pause großartig gesungen wurde. Soojin Moon (Cho-Cho-San, Sopran), Karolina Gumos (Suzuki, Mezzosopran) und Günter Papendell (Sharpless, Bariton) waren stimmlich und spielerisch herausragend. Das Orchester unter Leitung von Enrico Delamboye überzeugte im zweiten Teil mit großen Phrasen, einem schönen Pianissimo und einem guten Gefühl für die Pausen. Beim Fortissimo konnte man manches Mal die Sänger kaum hören. Aber vielleicht war es so gewollt, denn laut und hörbar sollte die Inszenierung ja vor allem auch sein.

Madama Butterfly ist eine Oper in 3 Akten von Giacomo Puccini. Das Libretto stammt von Giuseppe Giacosa und Luigi Illica. Die Uraufführung fand am 17. Februar 1904 im Teatro alla Scala in Mailand statt.

Die Angaben beziehen sich auf die Vorstellung am 06.06.2009 in der Komischen Oper Berlin.

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Die eher unbekannte Oper ist ein Verwirrspiel der Gefühle, vor allem denen der Hauptfigur. Die schöne Armida kämpft mit ihren eigenen Ängsten nachdem sie sich in den Helden Rinaldo verliebt hat, den sie eigentlich töten wollte. Scham über Schwäche, Angst vor Kontrollverlust und das Herbeiwünschen des “Hasses”, um sich der Liebe wieder zu entledigen, scheitern doch am Schluß an den eigenen Gefühlen.

Bei dem Regisseur Calixto Bieito wird die Liebe nicht nur auf der Bühne besungen, sondern auch gleich in die Tat umgesetzt. Splitternackte männliche Statisten, die vor bekleideten Sängerinnen auf allen vieren umherkriechen, machen die Machtverhältnisse in den Beziehungen überdeutlich. Das Vorspiel zum vierten Akt dominiert ein fast nackter Mann mit einer echten Schlange um den Leib, bevor sich dann auch die Sänger ihrem Oberkörper etwas Freiheit gönnen.
Die Barockoper ist damit zu einem aufregenden Spektakel geworden und es verschwinden einige typische barocke Längen für den Zuschauer, wenngleich der Dirigent Konrad Junghänel mit dem Orchester der Komischen Oper eine sehr spannende, nuancen- und farbenreiche Interpretation liefert, auf die man sich noch einmal mit geschlossenen Augen einlassen sollte.

Beeindruckend sind die darstellerischen Leistungen der Armida (Caroline Melzer, Sopran), die stimmlichen Interpretationen des Hasses (Maria Gortsevskaya, Mezzosopran), des Hidraot (Peteris Eglitis, Bassbariton) der Phénice (Olivia Vermeulen, Mezzosopran) und Sidonie (Karolina Andersson, Sopran) sowie ein präziser Chor, der auch mal auf den nackten Po eines Statisten hauen darf.

Armida (Komische Oper, Berlin)
Heroisches Drama in 5 Akten von Christoph Willibald Gluck
Libretto: Philippe Quinault nach Torquato Tasso (La Gerusalemme liberata), Uraufführung: Paris, 23. September 1777

*Vorstellung vom 26. April 2009

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Von Ferne ertönen die Gesänge junger Frauen. Faust ist mit sich selbst und Gott unzufrieden und will gerade völlig verzweifelt den Giftbecher an die Lippen setzen. Plötzlich zerbricht er das Kreuz und ruft Mephisto herbei. Dieser verspricht ihm den Wunsch nach Jugend, Sex und Liebe zu erfüllen, wenn er ihm nach dem Tod seine Seele verschreibt. Faust willigt ein und bekommt von Mephisto die aufregendsten Frauen vorgeführt. Doch Faust verliebt sich in die herzensreine und schlichte Margarethe. Bald drauf erwartet sie ein Kind von Faust, dieser hat sie aber bereits verlassen. Fast ohnmächtig vor Schmerz verfällt sie dem Wahnsinn, tötet dabei ihr eigenes Kind und sucht Trost und Gnade in der Kirche. Mephisto erscheint und zerstört ihre Hoffnungen und Gebete. Der zurückgekehrte Faust verwickelt Margarethes Bruder in einen Kampf und tötet - unterstützt durch Mephisto - Valentin


Den dramatischen Ausgang kann man in Karsten Wiegands Inszenierung von “Faust” in der Staatsoper Unter den Linden in Berlin (wohl leider erst wieder in der nächsten Spielzeit) bestaunen. Mit Hilfe eines Spielautomaten führt oder verführt Mephisto, gesungen von René Pape, Faust in ein bunt blinkendes Haus der Lust und des Lasters. Der Chor singt, bis auf ein paar „klappernde“ Einsätze am Anfang, sehr gut. Dazu wird rotiert, gehüpft, getanzt, geboxt und getrunken wie in einem absurden Puppentheater, teils gegen den Rhythmus, sich aber ständig wiederholend. René Pape, Bass, fühlt sich in der Rolle des Mephisto außerordentlich wohl und verkörpert einen sarkastisch ironischen Mephisto, was offensichtlich zu seinen großen, farbenreichen Tönen und den herrlichen Phrasierungen führt. Auch Faust, Charles Castronovo, Tenor, lockt mit einer schönen Stimme als romantischer Liebhaber mit hohen, lyrischen Tönen. Seine Margarethe, Marina Poplavskaya, Sopran, verwandelt sich stimmlich und spielerisch von der Reinheit zum Wahnsinn. Roman Trekel, Bariton, ist optisch kaum wiederzuerkennen und kämpft und stirbt als kraftvoller, muskulöser Valentin mit meisterhafter Musikalität und Interpretation. Das Orchester wird von dem sehr jungen Alain Altinoglu dirigiert.

Das Schlussbild gibt dem Zuschauer einige Rätsel auf. Das Bühnenbild öffnet sich zu einem schmalen Streifen. Margarethe kaum eines Blickes würdigend, speist der „himmlische“ Chor in festlicher Kleidung an einem riesigen Abendmahl, Rotwein trinkend, während sie davor stirbt. Dahinter schiebt Mephisto Faust vor sich her, als wollte er sagen: „Schau, das ist die Wirklichkeit!“

Aufführung vom 28. Februar 2009


Oper in fünf Akten von Charles Gounod nach einem Libretto von Jules Barbier und Michel Carré nach Goethes Faust I. Die Uraufführung fand am 19. März 1859 in Paris ím Théâtre Lyrique statt.

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Das Kartenspiel fasziniert Hermann, einen deutschen Ingenieur in Russland, außerordentlich. Viele lange Winterabende verbringt er mit fiebrigen Augen vor den Spieltischen, ohne jemals eine einzige Karte anzurühren. „Ich bin nicht in der Lage Unentbehrliches zu opfern in der Hoffnung Überflüssiges zu erwerben“*, sagt Hermann, der nicht einmal das kleine Vermögen, welches ihm sein Vater hinterlassen hatte, antastet. Eines Tages erblickt er ein schönes Gesicht mit schwarzen Augen. Es ist Lisa. Doch allzu bald erfährt Hermann von der Verlobung Lisas mit dem Fürsten Jeletzky. Sein Schicksal ist besiegelt.

Durch Zufall hört er von einer Geschichte der alten Gräfin, welche drei geheimnisvolle Karten kennt, die todsicher im Spiel gewinnen. Hermann sieht seinen Reichtum vor sich und glaubt dadurch an eine Wendung seines Schicksals. Doch die Gräfin hütet ihr Geheimnis…


Wie die Geschichte nun tatsächlich endet, kann man zur Zeit in der sehr gelungenen Inszenierung von Thilo Reinhardt an der Komischen Oper Berlin erleben. Es bleibt die gesamte Zeit über spannend, wenn auch der Abend mit 3 Stunden Spieldauer relativ lang ist. Das in grün gehaltene Bühnenbild zaubert die Aura für ein wahres Musikdrama. Der Moskauer Bolschoi-Direktor Alexander Vedernikov dirigiert und sorgt für einen authentischen schönen (russischen) Klang. Besonders die Stimmen lassen den Zuhörer immer wieder aufhorchen, wie zum Beispiel die glasklare Chloe im Schäferspiel (Karolina Andersson, Sopran). Ein russischer Tenor sang an diesem Abend in seiner Muttersprache vom Bühnenrand für den erkrankten Kor-Jan Dusseljee, der auf der Bühne grandios stimmlos spielte. Das Ensemble antwortete wie gewohnt auf deutsch und sorgte somit für erhöhte Anstrengung beim Publikum. Vor allem jedoch Anja Silja, Sopran, bewegt mit ihrer sehr emotionalen Interpretation der alten Gräfin.**


 

*  Nach Alexander Puschkin

** Die Angaben beziehen sich auf die Vorstellung vom 14. Februar 2009


Oper in drei Akten von Pjotr Iljitsch Tschaikowski nach einem Libretto seines jüngeren Bruders Modest Tschaikowski, welches auf einer Erzählung des russischen Dichters Alexander Puschkin basiert. Die Uraufführung fand am 19. Dezember 1890 im Mariinski-Theater in Sankt Petersburg statt.

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