Das Kartenspiel fasziniert Hermann, einen deutschen Ingenieur in Russland, außerordentlich. Viele lange Winterabende verbringt er mit fiebrigen Augen vor den Spieltischen, ohne jemals eine einzige Karte anzurühren. „Ich bin nicht in der Lage Unentbehrliches zu opfern in der Hoffnung Überflüssiges zu erwerben“*, sagt Hermann, der nicht einmal das kleine Vermögen, welches ihm sein Vater hinterlassen hatte, antastet. Eines Tages erblickt er ein schönes Gesicht mit schwarzen Augen. Es ist Lisa. Doch allzu bald erfährt Hermann von der Verlobung Lisas mit dem Fürsten Jeletzky. Sein Schicksal ist besiegelt.
Durch Zufall hört er von einer Geschichte der alten Gräfin, welche drei geheimnisvolle Karten kennt, die todsicher im Spiel gewinnen. Hermann sieht seinen Reichtum vor sich und glaubt dadurch an eine Wendung seines Schicksals. Doch die Gräfin hütet ihr Geheimnis…
Wie die Geschichte nun tatsächlich endet, kann man zur Zeit in der sehr gelungenen Inszenierung von Thilo Reinhardt an der Komischen Oper Berlin erleben. Es bleibt die gesamte Zeit über spannend, wenn auch der Abend mit 3 Stunden Spieldauer relativ lang ist. Das in grün gehaltene Bühnenbild zaubert die Aura für ein wahres Musikdrama. Der Moskauer Bolschoi-Direktor Alexander Vedernikov dirigiert und sorgt für einen authentischen schönen (russischen) Klang. Besonders die Stimmen lassen den Zuhörer immer wieder aufhorchen, wie zum Beispiel die glasklare Chloe im Schäferspiel (Karolina Andersson, Sopran). Ein russischer Tenor sang an diesem Abend in seiner Muttersprache vom Bühnenrand für den erkrankten Kor-Jan Dusseljee, der auf der Bühne grandios stimmlos spielte. Das Ensemble antwortete wie gewohnt auf deutsch und sorgte somit für erhöhte Anstrengung beim Publikum. Vor allem jedoch Anja Silja, Sopran, bewegt mit ihrer sehr emotionalen Interpretation der alten Gräfin.**
* Nach Alexander Puschkin
** Die Angaben beziehen sich auf die Vorstellung vom 14. Februar 2009
Oper in drei Akten von Pjotr Iljitsch Tschaikowski nach einem Libretto seines jüngeren Bruders Modest Tschaikowski, welches auf einer Erzählung des russischen Dichters Alexander Puschkin basiert. Die Uraufführung fand am 19. Dezember 1890 im Mariinski-Theater in Sankt Petersburg statt.
