Von Ferne ertönen die Gesänge junger Frauen. Faust ist mit sich selbst und Gott unzufrieden und will gerade völlig verzweifelt den Giftbecher an die Lippen setzen. Plötzlich zerbricht er das Kreuz und ruft Mephisto herbei. Dieser verspricht ihm den Wunsch nach Jugend, Sex und Liebe zu erfüllen, wenn er ihm nach dem Tod seine Seele verschreibt. Faust willigt ein und bekommt von Mephisto die aufregendsten Frauen vorgeführt. Doch Faust verliebt sich in die herzensreine und schlichte Margarethe. Bald drauf erwartet sie ein Kind von Faust, dieser hat sie aber bereits verlassen. Fast ohnmächtig vor Schmerz verfällt sie dem Wahnsinn, tötet dabei ihr eigenes Kind und sucht Trost und Gnade in der Kirche. Mephisto erscheint und zerstört ihre Hoffnungen und Gebete. Der zurückgekehrte Faust verwickelt Margarethes Bruder in einen Kampf und tötet - unterstützt durch Mephisto - Valentin …
Den dramatischen Ausgang kann man in Karsten Wiegands Inszenierung von “Faust” in der Staatsoper Unter den Linden in Berlin (wohl leider erst wieder in der nächsten Spielzeit) bestaunen. Mit Hilfe eines Spielautomaten führt oder verführt Mephisto, gesungen von René Pape, Faust in ein bunt blinkendes Haus der Lust und des Lasters. Der Chor singt, bis auf ein paar „klappernde“ Einsätze am Anfang, sehr gut. Dazu wird rotiert, gehüpft, getanzt, geboxt und getrunken wie in einem absurden Puppentheater, teils gegen den Rhythmus, sich aber ständig wiederholend. René Pape, Bass, fühlt sich in der Rolle des Mephisto außerordentlich wohl und verkörpert einen sarkastisch ironischen Mephisto, was offensichtlich zu seinen großen, farbenreichen Tönen und den herrlichen Phrasierungen führt. Auch Faust, Charles Castronovo, Tenor, lockt mit einer schönen Stimme als romantischer Liebhaber mit hohen, lyrischen Tönen. Seine Margarethe, Marina Poplavskaya, Sopran, verwandelt sich stimmlich und spielerisch von der Reinheit zum Wahnsinn. Roman Trekel, Bariton, ist optisch kaum wiederzuerkennen und kämpft und stirbt als kraftvoller, muskulöser Valentin mit meisterhafter Musikalität und Interpretation. Das Orchester wird von dem sehr jungen Alain Altinoglu dirigiert.
Das Schlussbild gibt dem Zuschauer einige Rätsel auf. Das Bühnenbild öffnet sich zu einem schmalen Streifen. Margarethe kaum eines Blickes würdigend, speist der „himmlische“ Chor in festlicher Kleidung an einem riesigen Abendmahl, Rotwein trinkend, während sie davor stirbt. Dahinter schiebt Mephisto Faust vor sich her, als wollte er sagen: „Schau, das ist die Wirklichkeit!“
Aufführung vom 28. Februar 2009
Oper in fünf Akten von Charles Gounod nach einem Libretto von Jules Barbier und Michel Carré nach Goethes Faust I. Die Uraufführung fand am 19. März 1859 in Paris ím Théâtre Lyrique statt.

Danke für die Info
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