Es kommt einem vor wie ein Deja-vu-Erlebnis. Der Handels- und Touristikkonzern Arcandor steht erneut kurz vor der Pleite.
Schon einmal war Arcandor in einer ähnlichen Situation. Ende 2004 wurden Milliardenlöcher bekannt. Für das Gesamtjahr schockte das Unternehmen mit einem Verlust von mehr als 1,6 Milliarden Euro. Zuerst kam Christoph Achenbach, dann Thomas Middelhoff. Der ehemalige Bertelsmann-Manager verpasste dem Unternehmen einen neuen Namen und verkaufte alles, was nicht niet- und nagelfest war. Starbucks, SinnLeffers, Runners Point, DSF und viele andere Beteiligungen.
Jetzt braucht Arcandor bis Juni erneut mindestens 650 Millionen Euro. Insgesamt lasten 2,6 Milliarden Euro an Schulden auf dem Konzern. Wieder einmal steht das Unternehmen mit dem Rücken zur Wand.
Vor einigen Wochen hat der frühere Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick das Ruder übernommen, der nun ein neues Rettungskonzept vorgelegt hat.
Im Kern sollen die Aktivitäten, die nicht zum Kerngeschäft gehören und sanierungsbedürftig sind in eine neue Einheit überführt und dort „weiterentwickelt“ werden. Dazu gehören 115 Technikcenter und 1.500 Shops von Quelle sowie acht Filialen und die drei Premiumhäuser von Karstadt. Darüber hinaus wird der Einkauf von Karstadt und Primondo gebündelt. Ziel ist es, dadurch langfristig 350 Millionen Euro einzusparen. Thomas Cook soll weiterhin zum Kerngeschäft gehören. Hier sind keine Veränderungen geplant.
Reichen die Pläne aus um die Banken und möglicherweise auch die Bundesregierung vom langfristigen und dauerhaften Erfolg zu überzeugen? Wohl kaum. Karl-Gerhard Eick geht einen alten Weg und setzt das fort, was auch schon seine Vorgänger getan haben. Weitere Teile abspalten, den Schrumpfungsprozess fortsetzen und Synergien im Einkauf erzielen.
Das Konzept trägt wieder einmal die Handschrift eines reinen Finanzexperten und verfehlt zum Teil das eigentliche Kernproblem. Dem Einkauf bei Karstadt fehlt der „Aha-Effekt, das Besondere. Das normale Warenhaus bietet kein Einkaufserlebnis, es gibt wenige Gründe in einer Karstadt-Filiale einzukaufen. Die Häuser haben zudem kein klares Profil aus dem hervorgeht, welcher Kunde angesprochen werden soll. Auch ein Verkauf der drei Premiumhäuser, zu dem Arcandor möglicherweise gezwungen werden könnte, wäre der falsche Weg.
Nicht wenige werfen mittlerweile die Frage auf, ob Arcandor überhaupt saniert werden kann? Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo in der Mitte. Ein Weg wäre, das Unternehmen in die Insolvenz zu schicken und den profitablen Bereich Thomas Cook dabei herauszulösen. Für die beiden anderen Geschäftsfelder müssten Käufer gefunden werden. Dieses Szenario würde aber massive Einschnitte nach sich ziehen, nicht nur für Gläubiger, sondern auch für die Mitarbeiter.
Karl-Gerhard Eick ist nicht zu beneiden. Er muss die Karre aus dem Dreck ziehen, Fehler seines Vorgängers Middelhoff korrigieren. Ihm ist bei seiner Mission viel Glück zu wünschen. Er muss den Spagat schaffen, den Konzern finanziell auf gesunde Beine zu stellen und gleichzeitig den Einkauf bei Karstadt oder Quelle zu einem Erlebnis zu machen. Ein grundlegender Imagewechsel ist zwingend notwendig. Nur auf die Kosten zu schauen, wird langfristig keinen dauerhaften Erfolg bringen.
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