Es kam wie ein Paukenschlag kurz vor Mitternacht. Der Verwaltungsrat von General Motors bläst den Verkauf von Opel ab. Detroit wolle die Tochter nun selber sanieren und dabei die Bundesregierung um Unterstützung bitten. In einer ersten Reaktion löst die Entscheidung bei Magna Entsetzen aus. Politiker in Deutschland bedauern die Entwicklung und zeigen sich wütend, wie Hessens Ministerpräsident Roland Koch. Damit hat das Drama um Opel einen neuen, und hoffentlich letzten Höhepunkt erreicht.
Bei all dem Theater aus Deutscher Sicht lässt sich das Verhalten der Amerikaner durchaus nachvollziehen. Als die Entscheidung fiel, Opel abzustoßen, stand GM mit dem Rücken zur Wand. Finanzielle Hilfe musste her und zwar schnell. Selbst Tafelsilber musste verscherbelt werden. Mittlerweile sieht es bei GM anders aus. Der Konzern ist gerettet, nicht zuletzt mit Milliarden aus Washington. Die Konjunktur hat sich erholt und damit auch die Chancen wieder mehr Autos zu verkaufen. Das i-Tüpfelchen dürfte aber der Erpressungsversuch der alten Bundesregierung gewesen sein, die ihre Unterstützung nur für den Fall eines Verkaufs an Magna angeboten hatte. Da sich Amerikaner selten erpressen lassen, dürfte das für massive Verärgerung gesorgt haben.
Für Opel und tausende Mitarbeiter gibt es nun aber wenigstens die langersehnte Klarheit. Opel an Magna zu verkaufen war ohnehin falsch. Möglicherweise ist Magna mittlerweise sogar froh über den Ausgang. Für Opelaner ändert sich kurzfristig nichts und hoffentlich kehrt ein wenig mehr Ruhe ein. Schließlich behält man auch einen Partner, der in den letzten Jahrzehnten zwar immer wieder Druck aufgebaut, Opel aber dennoch an der langen Leine gelassen hat.
So spannend und ereignisreich wie es in den letzten Monaten war, dürfte es auch weitergehen. Wie will GM Opel sanieren und welche Rolle soll dabei die Bundesregierung spielen? Wird Angela Merkel den Überbückungskredit von 1,5 Milliarden Euro zurückfordern oder zusätzliche Steuermilliarden zur Verfügung stellen? Auch Brüssel dürfte jetzt ganz genau hinschauen, schließlich konnte man dort die Entscheidung für Magna nicht nachvollziehen und forderte Aufklärung. Möglicherweise spielt GM in den bevorstehenden Verhandlungen auch diese Karte um die Bundesregierung unter Druck setzen.
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