Eigentlich ist der Antrittsbesuch eines neuen Ministers eher ein gemütliches und freudiges Ereignis. Für Karl-Theodor zu Guttenberg ist es allerdings alles andere als ein Zuckerschlecken und der erste richtige Stress-Test.
Am Montag trifft sich zu Guttenberg mit GM-Chef Rick Wagoner und Finanzvorstand Henderson. Am Dienstag kommt er mit US-Wirtschaftsminister Geithner und Obamas Wirtschaftsberater Summers zusammen. Dabei geht es um nichts Geringeres als die Rettung von Opel.
Die Bundesregierung und vor allen Dingen die vier Landesfürsten aus Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, erwarten von den Amerikanern klare Antworten. Wie sieht die Zukunft von GM und damit selbstverständlich die Zukunft von Opel aus? Ist GM bereit, Opel aus dem Konzern herauszulösen? Wo liegen tatsächlich die Patente und wer bekommt sie im Falle einer Abspaltung? Und ist GM bereit zusätzliches Kapital in die Opel-Tochter zu pumpen?
Die Zeit drängt. Früheren Angaben von GM zufolge ist Opel bis Ende des Monats liquide. Ab April geht der deutschen Tochter dann das Geld aus. Bis dahin muss eine Lösung her.
Glasklare Antworten wird zu Guttenbarg bei seiner Rückkehr aber wohl nicht im Gepäck haben. Die US-Regierung will sich bis Ende des Monats Zeit lassen um ihrerseits zu entscheiden, ob sie GM weiter unterstützt. Und die Verschleierungstaktik von GM dürfte mit dem Besuch unseres Ministers nicht vorbei sein.
Für Opel-Mitarbeiter gibt es aber einen Hoffnungsschimmer. Wie aus Verhandlungskreisen zu hören ist, hat die von der Bundesregierung beauftrage Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC das von Opel ausgearbeitete Sanierungskonzept für schlüssig befunden. Damit wäre die erste Voraussetzung für staatliche Garantien gewährleistet.
Wie groß sind also die Chancen für eine Rettung von Opel? Oder sollte man Opel in die Insolvenz schicken um einen Neuanfang zu starten? Sollte sich die Bundesregierung deshalb raushalten nachdem selbst Heuschrecken Opel nicht anfassen wollen? Oder muss der Autobauer mit seinen gut 25.000 Mitarbeitern gerettet werden, obwohl Kanzlerin Merkel Opel als nicht systemrelevant bezeichnet? Ein Thema, das die Gemüter erhitzt. Diskutieren Sie mit.
